Fastnachtsläufer "Domino" in Thüngersheim


In Thüngersheim hat das „Domino laufen“ eine lange Tradition.
Hierbei wird Rosenmontag und Faschingsdienstag in den typischen schwarzen Kostümen von Haus zu Haus gezogen und am Ende beider Tage der Fasching beerdigt.

Auf dieser Seite findet ihr viele Informationen über die Herkunft des "Domino" und die Geschichte dieses Fastnachtsläufers in Thüngersheim.

 




Herkunft:
Das Domino (lat. dominus „Herr“ oder „Geistlicher“, umgangssprachlich „der“ Domino oder „Kläd“) bezeichnet ein ursprünglich schwarzes Gewand mit weiter, tief ins Gesicht gezogener Kapuze, welches in früheren Jahrhunderten zur Kleidung von Geistlichen in Südeuropa (Italien/ Spanien) gehörte. Es diente vor allem bei Regen und im Winter dazu, den ganzen Körper zu verhüllen.
Im 16. Jahrhundert wurde der „Domino“ dann in die weltliche Kleidung übernommen, und bereits damals dazu genutzt, sich unerkannt fortzubewegen.
Später entwickelte er sich dann zum typischen venezianischen Kostüm indem er zusammen mit einer „Pestmaske“ getragen wurde. Die Ähnlichkeiten der  (Pest-) Masken und Umhänge zum Domino sind bis heute im Karneval in Venedig zu erkennen.

 



Im Domino bewegt man sich als sog. Fastnachtsläufer fort. Dieser zeigt sein Gesicht nicht.
Er  trägt eine Maske und ein entsprechendes Kostüm,  was im fränkischen Raum „Kläd“ genannt wird.
Der maskierte und verkleidete Fastnachtsläufer ist zwar als Person vorhanden, nicht aber als Persönlichkeit. Er ist gleichgestellt mit allen anderen. Geschlecht, Herkunft, gesellschaftlicher Stand und sonstige individuelle Merkmale sind hinter der Maske nicht mehr erkennbar und damit aufgehoben. Gleichgültig ob arm oder reich, mit viel Einfluss oder keinem, Berühmtheit oder nicht.

Man begegnet sich unerkannt und auf Augenhöhe. 




Domino als Fastnachtsläufer in Thüngersheim
Der Tag an dem der erste Domino durch Thüngersheim ging, ist nicht genau dokumentiert. Nach gründlicher Recherche und Befragung von Zeitzeugen muss es aber Anfang/ Mitte des 20. Jahrhunderts gewesen sein.
Seither hat sich dieser fastnachtliche Brauch aber über Generationen gefestigt und ist fester Bestandteil des Ortsfaschings.


Hierbei ziehen am Rosenmontag und Faschingsdienstag kleine und große Gruppen als  Dominos verkleidet durch die Straßen des fränkischen Weinortes und erbitten an Häusern um Einlass sowie eine flüssige und feste Stärkung.
In früheren Zeiten wurde entweder spontan so lange geklingelt bis die Türe geöffnet wurde, oder gezielt Bekannte, Verwandte und Weingüter aufgesucht, die Narren Einlass gewährten.

 

 


In den Häusern wurden die Masken abgelegt und man gab sich dem Gastgeber zu erkennen. Es gab Schorle, Wein und Brotzeit mit frisch geschlachteter Wurst. Es wurde, natürlich mit flüssiger Unterstützung,  gesungen, musiziert und gelacht.
Nach einer Stärkung ging es, meist in Begleitung von „Schlappsäuen“ (maskierte Narren, u.a. mit Lampenschirm als Kopfbedeckung und bunt verkleidet) weiter durch die Straßen und Gassen. Die Verkleidung als „Schlappsau“ gab es bereits vor den Dominos.

Neben Eisenketten die die Dominos hinter sich her zogen, hatten sie oft auch leere Kinderwägen („Scheesen“ frz. "chaise" = Stuhl/Kinderstuhl) mit dabei. Diese waren der Schrecken, vor allem für jüngere und kleine Dominos, welche gefangen, in die Kinderwägen gepackt und erst später wieder „frei gelassen“ wurden.

 

Dominos 1957

 
Am Faschingsdienstag war die Alte Turnhalle  in der Veitshöchheimer Straße voll mit Menschen in Dominos.
Hier wurden die letzten Stunden bis zur Faschingsbeerdigung verbracht. Wehe es traute sich jemand hier, seine Maske vor 24.00 Uhr abzunehmen.


 


Faschingsbeerdigung
Wie früher so auch heute, beginnt am Faschingsdienstag kurz vor Mitternacht die Faschingsbeerdigung.
Ein Domino liegt in einem Sarg, der von einem Trauerzug in Mitten der trauernden Dominos getragen wird. Mit Kerzen und laut weinenden Dominos wird der „Fasching“ symbolisch zu Grabe getragen. Man gedenkt der närrischen Zeit seit dem 11.11. und deren Freuden, stimmt sich aber sogleich auf die Fastenzeit ein.

 



Nach einer Trauerrede, welche von einem Domino gehalten wird, verabschieden sich die Narren vom Fasching. Der Sarg wird davon getragen und der Alltag hat die Narren wieder.


 

 
Domino heute
Heutzutage wird bereits oft im Vorfeld nach „offenen Häusern“ angefragt. Auch wenn die Verpflegung früher voll und ganz ausreichte, gibt es heute auch sehr oft neben Wein und Brotzeit, auch Bier und gekochtes Essen. Aber eigentlich genügt eine deftige Brotzeit. Auch berichten viele, dass es heutzutage „humaner“ vor sich geht.

Während es in früheren Zeiten bei einem Aufeinandertreffen mehrerer  Domino-Gruppen, vor allem kleiner und großer Dominos, etwas rabiat zuging, grüßt man sich heute freudig mit einem „HELAU“ aus einer quietschenden Stimme und geht seiner Wege.

Eines hat sich allerdings nicht geändert: Die Gespräche, der Gesang und die Geselligkeit in den Gruppen und mit den Gastgebern. Viele tragen auch heute noch Gitarren, Teufelsgeigen oder ähnliche Stimmungsinstrumente mit sich und sorgen für unvergessliche Momente in der Faschingszeit.



 
Der heutige Domino und seine Varianten
Der Domino in Thüngersheim wird heutzutage in der Regel schwarz getragen. In anderen Varianten gibt es ihn auch bunt und mit Gesichtsmasken anstelle der „Larven“. Ergänzt wird der Domino individuell mit Vorhängen, Tüchern, Gürteln, Ketten und ähnlichem.



 


 


Weitere heute genutzte Formen des Domino:

Der Pennäler Schnitzelbank - Geheimbund und Fastnachtsbrauch in Ellwangen (Jagst)

Schwyzer Nüssler - Domino


 

+++Aufruf+++
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